Hochsensibilität. Teil 1

„Stell dich nicht so an“

„Nimm dir doch nicht immer alles so zu Herzen“

„Das betrifft dich doch nicht persönlich“

„Reiß dich mal zusammen“

„So ist die Welt nun mal“

„Sei nicht so ein Weichei“

„Schaff dir mal ein dickeres Fell an“

Das alles sind Sätze die mir jahrelang um die Ohren gehauen wurden, die mich zum verzweifeln gebracht haben, die mich oft an mir selber haben zweifeln lassen.

Warum kann ich mir keine brutalen Filme ansehen, wie viele Andere auch? Warum bringt mich Ungerechtigkeit zur Weißglut? Filme in denen Tiere leiden oder gar sterben kann ich mir überhaupt nicht ansehen. Warum springe ich jedem bei, der sich nicht alleine wehren kann?

Warum leide ich mit, wenn mit fühlen reichen würde?

Ganz einfach (ha ha ha), weil ich Hochsensibel bin.

Hochsensibel sein bedeutet für mich, in direktem Kontakt mit dem Gefühl meines Gegenüber zu sein. Freude, Glück, Begeisterung, Zufriedenheit, Wut, Depression, Aggression, Trauer…. All das kommt bei mir ungefiltert an, mit voller Wucht, in vollem Umfang.

Eine lange Zeit meines Lebens habe ich versucht mich dagegen zu wehren, dagegen an zu kämpfen. Weil, ich wollte doch eigentlich einfach nur ein normal fühlender Mensch sein. Wollte nicht so sensibel sein, nicht so ein Weichei sein. Nur kann man Gefühle, Empfindungen nicht einfach abstellen (den Knopf dafür habe ich Jahre umsonst gesucht, was für eine Zeitverschwendung), was ich aber kann ist, lernen besser damit zu leben, Grenzen zu setzen, mich zu schützen, mich selber zu stärken. Es als meine Stärke anzuerkennen (ich hadere noch etwas mit dem Begriff annehmen), etwas Gutes daraus für mich zu machen, und vielleicht auch für andere.

4 Gedanken zu “Hochsensibilität. Teil 1”

  1. Hey,
    ich finde, man muss sich nicht mit solchen Begriffen labeln. Denn labeln ist nicht immer unbedingt positiv. Denn ich wäre als Laie auch mit der Selbstdiagnostik psychologischer Begriffe, auch wenn sie nicht als Krankheit, sondern als Charaktermerkmal identifiziert werden, vorsichtig. Denn man hat als Laie, selbst wenn es für einen ident klingt, nicht das nötige Wissen zwischen so manchen Aspekten zu differenzieren.
    Zum Beispiel habe ich es schon einige Male erlebt, dass manche etwas an sich selbst für hochsensibel hielten, was in Wirklichkeit leichte rezidivierende depressive Episoden oder gar eine Sozialphobie ist.

    Ich habe all diese Dinge auch oft gehört. Meine Sensibilität rührt jedoch durch eine sogenannte emotional instabile Persönlichkeitsstörung oder auch Boderline genannt.
    Viele der Symptome von Hochsensibilität ähneln auch dem von Boderline-Patienten. Nur, ich würde sagen, in leicht abgeschwächterer Version.

    Da ich ein Teilgebiet der Psychologie studiere und mich mit dem Thema auch einige Zeit auseinander gesetzt habe, kann ich sagen, dass sich selbst Psychologen noch nicht einig sind ob es Hochsensibilität wirklich gibt. Oder ob es sozusagen eher eine Unterkategorie der Neurotizismus ist.
    Auch in Sachen Forschung hat sich in den letzten 30 Jahren wenig getan.

    Will sagen, Hochsensibilität ist aus psychologischer Sicht ein Bereich, der noch zu wenig erforscht ist. Es gibt dazu auch bislang kein diagnostisches Manual.
    Es wird jedoch von Laien liebend gerne angenommen und sich mittels Selbstdiagnostik angedichtet.
    Deshalb auch die mediale Beliebtheit des Themas. Eben auch weil die Symptome so breit gefächert sind, und damit recht unspezifisch, dass sich eine große Mehrheit damit identifizieren kann.

    Eher würde ich sagen, statt sich als HSP zu labeln, die eigene Feinfühligkeit auf einem Spektrum akzeptieren. Und daraus mitnehmen was einen selbst positiv stärken kann, lernen sich abzugrenzen, zu mehr Selbstakzeptanz zu finden usw.

    LG

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